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Nachruf Ulrike Retschitzegger

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Kategorie: Nachrufe
Veröffentlicht: Freitag, 12. Juni 2026 00:00

Ulrike Retschitzegger (ehemalige Vorsitzende des Vereins KRIBIBI) ist am 24. Mai 2026 gestorben. Sie stammte aus Kirchdorf an der Krems und erlernte den Beruf einer Photographin.

Durch ihre erste Ehe gelangte sie nach Gallneukirchen, wo sie zwischen 1986 und 1995 an der dortigen Öffentlichen Bibliothek der Pfarre Gallneukirchen als ehrenamtliche Bibliothekarin tätig war. Mit ihrer Persönlichkeit verbunden waren Wissensdrang und Lernbegierde, ein tatkräftiges Engagement und die ständige Bereitschaft, gegen starre Verhältnisse anzukämpfen. Beruflich gelangte sie in die Förderungsstelle des Bundes für Erwachsenenbildung, wo sie für Oberösterreich ein System der Bildungsberatung aufbaute und in der Folge selbst lang als Bildungsberaterin tätig war. Auch an der Schaffung des Qualitätssiegels des Erwachsenenbildungsforums Oberösterreich hat sie mitgewirkt.

Zum Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Renner-Institut (KRIBIBI) gelangte sie im Frühjahr 1993, wo sie binnen kürzester Zeit zu einer der Stützen des Kreises wurde und im Lauf der Zeit an mehr als 30 Seminaren teilnahm und diese auch aktiv mitgestaltete. 1994 organisierte sie eine KRIBIBI-Veranstaltung zu Fragen der Ehrenamtlichkeit, deren Probleme ihr ein großes Anliegen waren und die sie immer wieder thematisierte. So auch bei der großen KRIBIBI-Tagung Die Bücherei ist weiblich!? (1996), bei der sie nicht nur referierte, sondern im Anschluss daran ebenso den Tagungsband produzierte. Überhaupt zählte es zu den Eigenschaften Ulrikes, in ihrer zupackenden Art sogenannte „Knochenarbeit“ nie zu scheuen und Aufgaben zu übernehmen, die bei anderen nicht so beliebt waren wie zum Beispiel das Führen von Protokollen. Als KRIBIBI-Vertreterin nahm sie (gemeinsam mit Renate Obadalek) 1998 am Kongress der American Library Association in Washington, D.C. teil, in dessen Rahmen auch der Versuch der internationalen Vernetzung progressiver Bibliotheksinitiativen gestartet wurde. In den folgenden Jahren brachte sie immer wieder Themen der ehrenamtlichen Büchereiarbeit und der Förderungsproblematik zur Sprache und moderierte eine Diskussion über Bibliotheken im Spagat zwischen Kriterien der Büchereiförderung und ihrem Kultur- und Bildungsauftrag. (2012)

Ulrikes Engagement war 25 Jahre lang untrennbar mit dem ihres Ehemannes Nikolaus Hamann verbunden, den sie bei KRIBIBI kennen und lieben lernte. Dieser Verbindung entsprang eine gemeinsame produktive Energie, die vielen Aktivitäten zugutekam. Nachdem sich 2017 das Renner-Institut aus budgetären Gründen aus der Trägerschaft von KRIBIBI zurückgezogen hatte, unterstützte Ulrike Niki Hamann bei der Gründung und Organisationsarbeit für den Verein KRIBIBI. Und als nach dem Tod von Niki die Zukunft des Vereins KRIBIBI unsicher war, hat sie sich nicht gescheut, trotz ihres großen persönlichen Schmerzes die Last der Verantwortung auf sich zu nehmen und mit der interimistischen Übernahme des Vorsitzes für die Fortführung der Vereinstätigkeit zu sorgen. 

Ulrikes Leben war geprägt von Fürsorge, Verantwortungsgefühl und der Fähigkeit anderen Menschen dabei Zuversicht zu schenken. Die Spuren, die sie in den Herzen ihrer Familie, ihrer Freund*innen und aller, die sie kannten, hinterlässt werden bleiben. Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit und werden sie als liebenswerte Person und menschenfreundliche Kämpferin in Erinnerung behalten.

(Text: Heimo Gruber und Gina Jank)

Parte Ulrike Retschitzegger

 

 

 

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