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Jahrestagung 2016 Kurzbericht

Armut und Bibliotheken – eine Herausforderung“
Jahrestagung des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (KRIBIBI) am 4. und 5. November 2016

Armut ist ein Thema, mit dem sich auseinanderzusetzen für Bibliotheken durchaus lohnend ist, sind doch sowohl Volksbüchereien als auch öffentlich zugängliche wissenschaftliche Bibliotheken Institutionen, die allen Teilen der Bevölkerung offenstehen (sollen).

Bei der Auftaktveranstaltung am Freitagabend stellte Frau Ass.Prof.in Dr.in Christine Stelzer-Orthofer von der Universität Linz 5 Thesen in den Raum, anhand derer sie die Parteiprogramme der Parlamentsparteien sowie von Piratenpartei und KPÖ bezüglich der Aussagen über Armut und deren Bekämpfung untersuchte. Ihre Vortragsfolien – wie auch die von Elisabeth Kapferer und Karsten Schuldt sowie ein längerer Bericht – können auf der Webseite www.kribibi.at eingesehen werden. Ihr Resümee lautete: „Der vermeintliche Kampf gegen Armut wird daher nicht selten zu einem Kampf gegen die Armen, wie das aktuelle Beispiel zur Reform der Bedarfsorientierten Mindestsicherung zeigt.“

Am Samstagvormittag eröffnete Frau Mag.a Elisabeth Kapferer vom Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg mit „Zahlen – Daten – Fakten über Armut in Österreich“, wobei auch Innensichten betroffener Personen nicht fehlten. In einer Zusammenstellung unbedingt notwendiger Ausgaben, die sie mit den Teilnehmer*innen gemeinsam vornahm, stellte sich heraus, dass für ein auch nur annähernd gutes Leben mindestens 1.800 Euro benötigt würden, während die Mindestsicherung für eine Person nur bei knapp 840 Euro liegt.

Den ersten Teil des Nachmittags bestritt Dr. Karsten Schuldt vom Institut für Informationswissenschaft in Chur mit kritischen Anmerkungen zu der Frage „Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek?“. Er konstatierte grundsätzliches Interesse in Bibliotheken, sich mit dem Thema Armut zu befassen, jedoch wenig konkretes Wissen darüber, wie sie ihrem Anspruch gerecht werden können.

Danach nahmen Vertreter*innen der Katholischen Sozialakademie, der Armutskonferenz sowie der Parteien SPÖ, Grüne und Neos Platz. Die Frage an sie lautete: „Was tun gegen Armut und soziale Ausgrenzung?“ Zwei von mehreren Diskutant*innen angesprochene Rezepte waren eine ausreichende Grundsicherung sowie Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich; nur ein Diskutant konnte dem nichts abgewinnen. Diskutiert wurde auch über Bildung als Vorsorge gegen Armutsbedrohung. In diesem Zusammenhang stellte der Moderator die Frage, ob nicht gerade die Bibliotheken als größte außerschulische Bildungseinrichtung besonders gefördert werden sollten. Er zeigte auf, dass die Staatsoper vom Bund pro Besucher*in 100 € Basisabgeltung erhält, während die Öffentlichen Büchereien – bei 17 mal mehr Besucher*innen – nur knapp 6 € ausgeben können. Mit dem Appell an die Politiker*innen, dies großflächig zu kommunizieren, endete die Tagung.

Nikolaus Hamann, Bibliothekar i.R.
Co-Koordinator von KRIBIBI

Einladung Jahrestagung 2016

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Der Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Karl-Renner-Institut (KRIBIBI) und die Erwachsenenbildungskommission des Bundesbildungsausschusses der SPÖ laden ein zur

Jahrestagung 2016

Armut und Bibliotheken – eine Herausforderung

Termin

Freitag, 4. November 2016, 19 Uhr bis
Samstag, 5. November 2016, 18 Uhr 

Orte

Auftaktveranstaltung am Freitag:
Bibliothek der Arbeiterkammer Wien
Prinz Eugen Straße 2022
1040 Wien
(erreichbar mit Straßenbahnlinie D, Station Plößlgasse)
Dieser Vortrag kann kostenlos auch dann besucht werden, wenn kein Interesse an der Tagung insgesamt besteht.
Tagung am Samstag:
Karl-Renner-Institut
Eingang: Gartenhotel Altmannsdorf, 1120 Wien, Hoffingergasse 2628
(erreichbar mit U6, Station „Am Schöpfwerk“, und Schnellbahn, Station „Hetzendorf“)

   

Inhalt

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf, Armutsgefährdung und tatsächliche Armut nehmen in Österreich zu. Bibliotheken als offene, demokratische Orte und deren Mitarbeiter*innen können sich unserer Meinung nach nicht darauf beschränken, ohnehin für alle gleichermaßen da zu sein. Als fortschrittliche Bibliothekar*innen mit emanzipatorischem Arbeitsverständnis muss uns auch wichtig sein, die gesellschaftlichen Strukturen, die zu Armut führen (können), zu beleuchten. Gleichzeitig geht es auch darum zu untersuchen, wie Bibliotheken in ihrer Gesamtheit tatsächlich oder versteckt Armen ein gutes Angebot zur Unterstützung machen können.

 

Programm

Freitag Abend
(Beginn:
19 Uhr)

Vortrag
Christine Stelzer-Orthofer, Linz: Der Kampf gegen Armut oder der Kampf gegen die Armen?
Eine Analyse der Positionen zentraler politischer AkteurInnen in Österreich

 

Samstag
Vormittag

(Beginn:
9 Uhr)

Begrüßung und Vorstellungsrunde
Referat und Diskussion
Elisabeth Kapferer, Salzburg: Mitten unter uns: Von Armut und sozialer Ungleichheit in Österreich

 

Samstag
12 Uhr

Mittagessen

 

Samstag
Nachmittag

(Beginn
13 Uhr)

Referat und Diskussion
Karsten Schuldt, Chur: Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische Anmerkungen zu bibliothekarischen Vorstellungen

Podiumsdiskussion: Was tun gegen Armut und soziale Ausgrenzung?
Teilnehmer*innen:
Margit Appel, Katholische Sozialakademie (KSOE)
Melina Klaus, Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ)
Katharina Kucharowits, Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ)
Christian Moritz, NEOS
Michaela Moser, österreichische Armutskonferenz
Lukas Wurz, GRÜNE
Moderation: Nikolaus Hamann

Die Podiumsdiskussion (ohne anschließendes Abendessen) kann auch ohne Bezahlung der Tagungsgebühr besucht werden.

 

Samstag
18 Uhr
Abendessen

 

Abstracts: siehe Ende der Einladung zur Tagung

Tagungsbeitrag: 50 €  

Darin enthalten sind Nächtigung im Doppelzimmer für Teilnehmer/innen mit Wohnort außerhalb von Wien, Frühstück, Mittag– und Abendessen. Bei der Reservierung eines Einzelzimmers werden € 11,00 Aufschlag berechnet (zu bezahlen direkt an der Rezeption).
Bitte zahlen Sie den Tagungsbeitrag auf folgendes Konto ein:


Empfänger: Dr.-Karl-Renner-Institut
IBAN: AT10 6000 0000 0757 9163
BIC: BAWAATWW
Verwendungszweck: KRIBIBI-2016

Der Vortrag am Freitag und die Podiumsdiskussion am Samstag Nachmittag (ohne anschließendes Abendessen) können auch ohne Bezahlung der Teilnahmegebühr besucht werden. Wir ersuchen aber um vorherige Anmeldung.

Während der Tagung sind Sie Gast des Karl-Renner-Instituts, nur die Getränke bei Tisch, Konsumationen am Zimmer und ein allfälliger Einzelzimmerzuschlag sind selbst zu bezahlen. Wenn Sie für die Dauer der Tagung ein Zimmer benötigen, geben Sie uns bitte Bescheid, damit wir im Gartenhotel Altmannsdorf die Reservierung vornehmen können.
Ihre Anmeldung soll bis spätestens 31. Oktober bei uns eingetroffen sein.
→ zum Anmeldeformular

Ihre Anmeldung ist verbindlich. Erfolgt eine Stornierung nicht spätestens 14 Tage vor Tagungsbeginn, so sind sämtliche Beiträge sowie etwaige Stornokosten in vollem Umfang zu entrichten.
→ zu den Teilnahmebedingungen
Eine Anmeldebestätigung und eine etwaige Bestätigung der Zimmerreservierung werden Ihnen zugesandt.

 

Erreichbarkeit des KRIBIBI-Koordinationsteams: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
Nikolaus Hamann, Wiener Straße 126, 2262 Stillfried, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tagungsberichte früherer KRIBIBI-Tagungen stehen hier bereit.

Weitere Kontaktmöglichkeiten:

Facebook:         www.facebook.com/pages/kribibi/141533722571224
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Abstracts:

Christine Stelzer-Orthofer: Der Kampf gegen Armut oder der Kampf gegen die Armen? Eine Analyse der Positionen zentraler politischer AkteurInnen in Österreich

Armut ist ein vielschichtiger Begriff. Er ist weder in der Alltagssprache noch in wissenschaftlichen Konzeptionen eindeutig und neutral, sondern in der Regel immer auch von individuellen Wertvorstellungen geprägt. Er ist daher Ziel– und Angelpunkt zur Identifizierung von gesellschaftspolitischen Konzeptionen zur Verteilungsgerechtigkeit und zur Dimension sozialstaatlichen Handelns. Nahezu alle politischen AkteurInnen in Österreich bekennen sich in ihren programmatischen Aussagen dazu, Armut und Ausgrenzungsgefährdung reduzieren zu wollen. Die vorgeschlagenen Wege zum Abbau sozialer Ungleichheit in Österreich sind aber nicht selten diametral entgegengesetzt.

Elisabeth Kapferer: Mitten unter uns: Von Armut und sozialer Ungleichheit in Österreich

Österreich ist ein reiches Land –dennoch berichten die Medien regelmäßig über ein Segment von zuletzt etwa 14 % der Bevölkerung, die ihr Dasein jenseits üblicher finanzieller Möglichkeiten und Lebensstandards fristen müssen. Dieser Beitrag bietet zunächst einen Überblick über gängige Konzepte und Definitionen von Armut im Wohlstand (etwa: relative Armut, materielle Deprivation, soziale Ausgrenzung, soziale Ungleichheit etc.). Die prekäre Lage scheint gut ermessen und erforscht. Doch stellen sich Fragen: Wie aussagekräftig sind „Armutsquoten“? Was bedeutet es, in einem Land wie Österreich „benachteiligt“ zu sein? Was heißt es im Alltag, mit (zu) wenig auskommen zu müssen? Und mit welchen Hinderungen und insbesondere Verwundbarkeiten müssen Menschen – durchaus beiderseits der sogenannten „Armutsgrenze“ – zu Rande kommen? Über unterschiedliche Zugänge und Fragestellungen soll eine facettenreiche Perspektive auf ein vielschichtiges Phänomen eröffnet werden.

Karsten Schuldt: Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische Anmerkungen zu bibliothekarischen Vorstellungen

Bibliotheken und bibliothekarische Verbände betonen nicht oft, aber doch regelmässig, dass sie sich als Einrichtungen verstehen, die allen Menschen offenstehen — was heutzutage für immer weniger Orte gelten würde — und deshalb gerade auch für Menschen in Armut positiv wirken. Hinter diesen Aussagen sind hehre Ziele zu vermuten. Dennoch: Versucht man, diese Ansprüche genauer zu fassen oder gar in der Realität zu überprüfen, wird es schwierig. Es scheint kaum klar zu sein, was die Bibliotheken tatsächlich für Menschen in Armut bedeuten (können) und wie Menschen in Armut Bibliotheken für ihren Alltag nutzen können. Dabei scheint es ein grundsätzliches Interesse der Bibliotheken zu geben, auf deren Situation zu reagieren. Der Vortrag wird versuchen, aufzuzeigen, über was Bibliotheken sich klar werden müssten, wenn sie ihrem Anspruch in diesem Bereich gerecht werden wollen.

Jahrestagung 2015

Bericht über die Jahrestagung 2015 des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (KRIBIBI) zum Thema Informationsethik

Wenn es um Informations– oder Bibliotheksethik geht, leben wir in Österreich in der Wüste. Es gibt hierzulande keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung „BibliothekarIn“, es gibt kein Bibliothekswesen als solches, sondern Schulbibliotheken, öffentliche Büchereien und wissenschaftliche Bibliotheken nebeneinander mit unterschiedlichen oder gar keinen gesetzlichen Regelungen, es gibt keine gemeinsame bibliothekarische Ausbildung, in den diversen Ausbildungsgängen keine Befassung mit bibliotheksethischen Fragen (sieht man einmal von einem Wahlfach im Aufbaulehrgang der ULG ab), und es gibt natürlich und folgerichtig auch keinen Ethik-Kodex für Bibliotheken, bestenfalls ethische Splitter in diversen Leitbildern.

Informationsethik – za’wos brauch’ma des? Ethisches Handeln in Bibliotheken“. Unter diesem Titel fand am 6. und 7. November 2015 die Jahrestagung des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (KRIBIBI) statt. Dank der Gastfreundschaft der Bibliothek der Arbeiterkammer konnte die Auftaktveranstaltung im dortigen Lesesaal ablaufen. Etwa 35 ZuhörerInnen verfolgten mit großer Aufmerksamkeit den Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich.

Oliver Bendel ist sowohl Wissenschaftler als auch Schriftsteller und lehrt an der Fachhochschule Nordwestschweiz am Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft. Seine doppelte Funktion ließ ihn besonders gut geeignet erscheinen vor einem Publikum zu sprechen, dessen Beruf und meistens auch Leidenschaft es ist, Werke der Wissenschaft und der Literatur zu bewahren, zu erschließen und zugänglich zu machen.

Der in Ulm geborene Autor Dr. Bendel hat mehrere Romane und zahllose weitere literarische Texte veröffentlicht, die zum Teil experimentell ausgelegt sind. Als Beispiel sei sein Büchlein „Handyhaiku“ genannt, in dem 100 Haikus über und für das Handy in Form von QR-Codes abgedruckt sind. Diese QR-Codes kann man mit dem Smartphone einscannen und dann am Bildschirm lesen.

Als Wissenschaftler ist Bendel Experte in den Bereichen E-learning, Wissensmanagement, Social Media sowie Informationsethik und Maschinenethik. Ein Spezialforschungsgebiet ist die Idee der künstlichen Kreatur von der Antike bis heute. Folgerichtig nannte er seinen Vortrag, dessen Inhalt demnächst auch als ein weiteres Buch erscheinen wird, „Von der ‚Bibliothek‘ zum ‚Cyborg‘ und zurück: Ein Spaziergang durch die Begriffswelt der Informationsethik“.

Cyborgs sind technisch veränderte Menschen. Dazu zählen Menschen mit Herzschrittmacher ebenso wie solche mit künstlichen Gelenken, nervengesteuerten Prothesen bis hin zu mit menschlicher Vernunft ausgestatteten Robotern. Der Begriff Cyborg ist ein Akronym, verbindet die Wörter „cybernetic“ und „organism“ und stammt aus der Raumfahrt der 1960er Jahre, als man versuchte, Menschen technisch an die Lebensbedingungen im Weltraum anzupassen. Als literarische Vorstellung ist er jedoch viel älter, man denke nur an Dädalus und Ikarus oder an Frankenstein. Auch in der Perry-Rhodan-Serie oder bei Superman kommen Cyborgs vor.

Oliver Bendel baute seinen Vortrag in Form eines Regelkreises auf, indem er von einem informationsethischen Fachbegriff zum nächsten sprang. Jeder Begriff musste sowohl inhaltlich als auch als Wort mit dem vorigen verbunden sein, so wie man sich in einem Lexikon mittels der Verweise von einem Eintrag zu einem anderen weiterhantelt. Auf diese Weise und unter Zuhilfenahme erläuternden Bildmaterials vermittelte er dem Publikum verblüffende Einsichten in mögliche erfreuliche, aber auch weniger wünschenswerte Zukünfte der Informationsgesellschaft.

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Ein Beispiel für die Abfolge von Begriffen ist der die Bibliotheken immer öfter herausfordernde Auftrag, auch „hybride Publikationsformen“ zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. Bendel erläuterte dies anhand eines in Paris spielenden Romans, in den Links zu Kartenmaterial, zu Fotos und Videos, zu erklärenden historischen Subtexten, aber auch zu begleitender Musik eingearbeitet sind. Auf diese Art lassen sich zum Beispiel Fußnoten als QR-Codes drucken und dadurch so verändern, dass man direkt in einen anderen Text, Film oder zu einer Webseite wechseln kann. Natürlich entstehen bei diesem Verfahren urheberInnenrechtliche, also informationsethische Fragen und Probleme, die durch die gegenwärtige Rechtsordnung nicht abgedeckt sind.

Ausgehend von der Frage, welche Eigenschaften in Bibliotheken arbeitende Cyborgs haben sollten, wurden in der anschließenden Diskussion einige grundsätzliche Überlegungen informationsethischer Natur behandelt. Obwohl technische Errungenschaften wie Prothesen und Herzschrittmacher dem Menschen das Leben erleichtern oder das Weiterleben erst möglich machen können, führen andere Entwicklungen wie z.B. interaktives Spielzeug sehr leicht in eine totale Überwachungsgesellschaft. Informationsethik wird also in der Zukunft – weit über das Bibliothekswesen hinausgehend – eine immer größere Rolle für die Menschheit spielen.

Eine weitere Debatte entwickelte sich hinsichtlich des erkenntnistheoretischen Unterschieds zwischen Information und Wissen. Bendel meinte, falsche Informationen könnten sehr wohl transportiert werden und ihre beabsichtigte Wirkung entfalten. Er erläuterte dies mit dem Beispiel der Konstanzer, die während der Bombennächte des Zweiten Weltkrieges ihre Stadt nicht verdunkelten, sondern hell erleuchtet ließen. Die Piloten hielten Konstanz daher für eine Schweizer Stadt und drehten ab. Die ausgesandte Information war also falsch, die Wirkung aber richtig. Falsches Wissen hingegen ließe sich nur für eine gewisse Zeit, aber nicht auf Dauer aufrecht erhalten.

Danach wurde das Verhältnis zwischen Moral, Ethik und Recht thematisiert. Speziell bei autonomen Maschinen, wie sie etwa selbstfahrende Autos verkörpern, stelle sich die Frage nach Verantwortung und damit nach der Haftung für Fehlverhalten. Kann der Maschine verantwortliches Handeln zugemutet werden, oder seien die KonstrukteurInnen haftbar zu machen? Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz werfe hier ganz neue Fragen auf. Schon heute seien interaktive Werbeflächen, die mit Gesichtserkennung arbeiten und ihre Botschaft auf die vorbeigehende Person abstimmen, Realität. Hier müsse rasch durch die Erarbeitung entsprechender Rechtsvorschriften als eine Maßnahme der kulturellen Bewältigung technologischer Neuerungen gehandelt werden. Allerdings genieße die Wissenschaft von der ethischen Behandlung informationeller Entwicklung als Grundlage für rechtliche Festschreibungen in unseren Gesellschaften noch bei weitem nicht die notwendige Akzeptanz, und es gebe viel zu wenige Universitäten, an denen entsprechend geforscht und gelehrt werde. Die kritische Auseinandersetzung – wie sie die KRIBIBI-Tagung anstrebe – sei daher ein Gebot der Stunde.

Die Tagung wurde am Samstag im Gartenhotel Altmannsdorf fortgesetzt. Der „Mister Bibliotheksethik“ Deutschlands, Prof. Dr. Hermann Rösch, präsentierte am Vormittag ethische Fragen und Problemstellungen im Bibliothekswesen. Die Titelfrage „Ethik in der Bibliothek – eine Selbstverständlichkeit?“ musste mit Ja und mit Nein beantwortet werden: Ja, Ethik spielt in der Bibliotheksarbeit eine große Rolle, aber nein, viel zu wenigen KollegInnen ist das bewusst. In Deutschland gibt es zwar seit 2007 einen Ethikkodex für BibliothekarInnen, der aber relativ wenig bekannt ist. Österreich hat in dieser Hinsicht gar nichts vorzuweisen, was uns ein weiteres Mal – ähnlich wie beim Bibliothekengesetz – auf der Landkarte als weißer Fleck aufscheinen lässt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf durch die großen bibliothekarischen Organisationen wie BVÖ und VÖB! KRIBIBI hingegen hat sich in seiner Geschichte schon mehrfach – das erste Mal 2002 – mit Bibliotheksethik befasst und diesbezüglich Tagungen veranstaltet.

In anderen Ländern schaut die Situation anders aus: 67 Ethik-Kodices listet das Buch „Library Codes of Ethics Worldwide“ auf, auch die IFLA (International Federation of Library Associations) hat einen Ethik-Kodex erarbeitet und unterhält darüber hinaus die permanente Arbeitsgruppe FAIFE (Committee on Freedom of Access to Information and Freedom of Expression).

Prof. Dr. Hermann Rösch hat Germanistik, Soziologie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft studiert, danach die Ausbildung für den höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken absolviert und ist heute Professor am Institut für Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln. Seit 2007 ist er Mitglied in der bereits erwähnten IFLA-Kommission FAIFE. Er hat vielfach zum Thema Bibliotheksethik publiziert, einer der jüngsten Artikel findet sich im Schwerpunktheft Informationsethik der VÖB, der Nummer 1 des Jahres 2014.

Durch seinen offenen Referatsstil bezog Rösch die 13 TeilnehmerInnen – eine recht kleine Zahl für ein so wichtiges Thema – in die Darlegungen mit ein. Grundlage des Gedankenaustausches war eine strukturierte Zusammenfassung des Ethikkodex der IFLA; diese Zusammenfassung kann auf der Webseite von KRIBIBI www.kribibi.at neben anderen Unterlagen aufgerufen werden.

Sowohl auf Grund der nur begrenzt verfügbaren Zeit als auch des eher als moderierte Diskussion gestalteten Vortrags war es natürlich nicht möglich, alle 91[!] vorbereiteten Folien zu präsentieren und zu behandeln. (Die PP-Präsentation kann auf der Webseite von KRIBIBI www.kribibi.at angesehen werden.) Dennoch entstand bei den TeilnehmerInnen ein grundlegendes Verständnis für informationsethische Fragestellungen im bibliothekarischen Handeln.

Prof. Rösch schilderte zunächst die deutsche Umgangsweise mit Bibliotheksethik, die alles andere als zufriedenstellend sei, und beklagte, dass die zunehmende Ökonomisierung aller Lebensbereiche diesen wichtigen Aspekt bibliothekarischen Handelns immer mehr in den Hintergrund dränge. Die dem Bibliothekswesen früher anhaftende Technikfeindlichkeit sei durch eine Haltung ersetzt worden, alles ungeprüft und kritiklos übernehmen zu wollen, nur weil es neu sei. Er illustrierte dies mit der weithin unkritisch akzeptierten Einführung von RFID-Technologie (z.B. Selbstverbuchungsgeräte), deren Auswirkungen auf Fragen des Datenschutzes nicht flächendeckend thematisiert werde.

Im Anschluss stellte der Referent die Zusammenhänge von Moral, Ethik und Recht dar, fragte nach den Inhalten von Informationsethik und untersuchte deren Umsetzung in der bibliothekarischen Praxis. Rösch postulierte, Ethik und Recht seien nicht deckungsgleich, Ethik stehe außerhalb von und über Rechtsbestimmungen, ja, Ethik müsse als Instrument der Rechtskritik verstanden werden. Ethik sei auch nicht ubiquitär und ewig gültig, sondern habe sich parallel zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaften immer verändert. Ethik müsse also als Diskurs verstanden werden, dessen Ergebnis gesellschaftliche Übereinkommen, also zum Beispiel Gesetze seien. Moralische Entscheidungen hingegen müssten individuell getroffen werden. Die Reflexionsebene von Moral sei laut Niklas Luhmann dann eben die Ethik. In unserem täglichen Handeln spielen ethische Fragen die gleiche Rolle wie das Wasser für Fische – sie umgeben uns permanent, auch ohne dass wir ständig darüber nachdenken.

Gegenstand informationsethischer Betrachtung sei z.B. die digitale Spaltung sowohl zwischen verschiedenen Ländern als auch innerhalb von Gesellschaften durch das unterschiedliche Vorhandensein von Informationskompetenz. Bibliotheken müssten sich wieder viel mehr ihres emanzipatorischen kulturellen und bildungsfördernden Auftrags bewusst werden, was weit über die vielbesprochene und oft geforderte KundInnenorientierung hinausgehe. Weitere wichtige Begriffe seien Informationsfreiheit (siehe Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Art. 19, bzw. Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes), Meinungsmanipulation, Zensur, Jugendschutz, Filtersoftware, Bestandsaufbau und –zusammensetzung, Transparenz öffentlicher Verwaltung und Gesetzgebung, Informationsökologie – ein ganz wichtiges Zukunftsthema – sowie eventuell eine Informationsordnung (was muss öffentlich einsehbar sein, was ist Privatsphäre).

Mit einem Blick auf den Unterschied zwischen Individual– und Institutionenethik kam Prof. Rösch zum abschließenden Teil seines Vortrags. Er plädierte dafür, so wie in den USA (Library Bill of Rights) beides zu entwickeln und im Bewusstsein der BibliothekarInnen zu verankern. Dies könnte es uns erleichtern, in der Diskussion mit den „Kämmerern“ z.B. in der Gebührenfrage anders und mit besseren Argumenten aufzutreten. Darüber hinaus, wandte ein Diskutant ein, müsse man sich natürlich die Frage stellen, was für eine Gesellschaft das denn sei, in der Menschen so wenig verdienen, dass sie sich Bibliotheksgebühren nicht oder nur schwer leisten können.

Nach einer positiven Einschätzung der sehr erfreulichen derzeitigen Angebote von Bibliotheken an AsylwerberInnen und Flüchtlinge durch die TeilnehmerInnen endete der Vormittag mit einem Plädoyer, mehr darüber nachzudenken, was die Aufgaben von ethischen Grundsätzen seien:

  • Auftrag zu kritischem Umgang mit überkommenen Verhaltensweisen
  • Orientierung in und Standardisierung von moralischen Vorstellungen
  • Reflexion und Überprüfung der eigenen Praxis an allgemein anerkannten Regeln
  • Abkehr davon, persönliche moralische Ansichten über vereinbarte Normen zu stellen
  • Bezugsnorm für Zielvereinbarungen
  • Hilfe im Umgang mit KollegInnen und Vorgesetzten (und vice versa)
  • Aufwertung des Berufsstandes als Anwälte der Informationsfreiheit und Spezialisten im Bereitstellen von Information jenseits ökonomischer Interessen
  • klare Darstellung des Berufsbildes
  • Transparenz gegenüber den BenutzerInnen, den Unterhaltsträgern und der Politik, aber natürlich auch der Gesamtgesellschaft
  • Beeinflussung der Erwartungshaltung gegenüber der Bibliothek und den BibliothekarInnen
  • Stärkung des Selbstwertgefühls
  • Grundlage für Leitbild und Zielerstellung
  • Rückhalt in akuten Konfliktfällen

Inhalte eines tunlichst nach intensiven Diskussionen vereinbarten bibliothekarischen Ethik-Kodex könnten sein:

  • Informationsfreiheit
  • Meinungspluralismus
  • Rechte der NutzerInnen
  • Gleichbehandlung
  • Datenschutz und Diskretion
  • Neutralität im Bestandsaufbau und der Erschließung der Medien (z.B. Beschlagwortung oder Klassifikation)
  • Gesellschaftliche Verantwortung der Bibliothek und der BibliothekarInnen
  • Bildungsauftrag
  • Jugendschutz
  • Dienstleistungsorientierung
  • Professionalität (Aus– und Fortbildung, Kooperation …)
  • Persönliche Integrität
  • UrheberInnenrecht

Mit einem Blick auf die Weltkarte der Länder, die einen Ethikkodex für Bibliotheken besitzen, endete die Vormittagssession.

Den Nachmittag eröffnete Nikolaus Hamann mit seinem Referat „Never be silent! Ethische Aspekte progressiver Bibliotheksarbeit“. Der Text dieses Vortrags kann auf der Webseite von KRIBIBI www.kribibi.at eingesehen werden. In den vorliegenden Mitteilungen der VÖB ist er im Anschluss an den Tagungsbericht abgedruckt. Hamann beleuchtete zentrale Begriffe der Bibliotheksethik aus einer kritischen, fortschrittlichen Perspektive und untersuchte, wie weit diese dem gesellschaftlichen Auftrag der Bibliotheken und der BibliothekarInnen gerecht würden. Er stellte die Frage, ob z.B. die Forderung nach Neutralität und Objektivität nicht eher jene bevorzugt, die ohnehin schon guten Zugang zu Information und Wissen hätten, und ob Bibliotheken nicht eher einem emanzipatorischen Auftrag gegenüber Unterprivilegierten verpflichtet sein sollten. In Bezug auf das UrheberInnenrecht präferierte er die Sichtweise, BibliothekarInnen sollten sich mehr für moderne Rechtsbestimmungen einsetzen als sich überkommenen, nicht mehr zeitgemäßen, zu unterwerfen. Er thematisierte die Begriffe Informationsgerechtigkeit und (auch innerbetriebliche) Demokratie und rief die TeilnehmerInnen an der Tagung auf, auch in Bezug auf Bibliotheksethik deren Inhalte stets kritisch zu überprüfen und zu bewerten.

Im Anschluss an dieses Referat startete Prof. Rösch den Workshop zu konkreten Fällen ethischer Dilemmata in Bibliotheken. Er verwies zunächst auf die unter https://www.fbi.fh-koeln.de/efubip/ zugängliche Datenbank, in der reale Fälle sowie mögliche Lösungsansätze gesammelt werden. Jede/r könne diese Fallsammlung durch eigene Beispiele ergänzen. Rösch betonte jedoch, dass es sich nicht um ein Handbuch zur sicheren Abwicklung ethischer Konfliktsituationen handle, denn jeder Fall müsse individuell betrachtet und eigenverantwortlich gelöst werden.

Auf Vorschlag einer Teilnehmerin wurde als erste die Frage des Umgangs mit rechtsextremem und neonazistischem Inhalt am Beispiel des Dokumentarfilms „Warum sie Hitler wählten“, einer Sammlung von Interviews mit ehemaligen FunktionsträgerInnen ohne kritische Distanz zur NS-Zeit, diskutiert. Die Filme waren von einer öffentlichen Bücherei angekauft worden, der Inhalt wurde erst später erkannt, und die Frage war nun, wie hier zu verfahren sei. Ein großes Problem in diesem Bereich sei die Möglichkeit der Selbstverbuchung von Medien, wodurch die BibliothekarInnen auch keinen Warnhinweis abgeben könnten. Im konkreten Fall wurde eine Fachmeinung eingeholt und nach deren Anraten das Medium aus dem Bestand entfernt.

Rösch wies in diesem Zusammenhang auf die Praxis US-amerikanischer Bibliotheken hin, „challenged books“ im KollegInnenkreis zu diskutieren und eine gemeinsame Entscheidung zu treffen, ob das Medium im Bestand sein solle oder nicht.

Ebenfalls thematisiert wurden so genannte Secreta-Sammlungen von erotischer Literatur und wer zu diesen Zutritt haben dürfe. Lange Zeit war es so, dass ein wissenschaftliches Interesse nachgewiesen werden musste. Auch manche MitarbeiterInnen waren von der Benutzung ausgeschlossen.

Ein weiteres Thema war der Umgang mit Menschen, deren starker Geruch das Personal und andere BibliotheksbenutzerInnen beeinträchtigt. Bei aller Toleranz und trotz des Gebots der Gleichbehandlung verwies Dr. Rösch auf die Verantwortung gegenüber den anderen BesucherInnen und plädierte dafür, den Sachverhalt so schonend wie möglich anzusprechen und die betreffende Person zu bitten, gewaschen wieder zu kommen. Wichtig wäre in jedem Fall, proaktiv auf die Situation zu reagieren und auf Hilfsangebote hinzuweisen.

Alle Themen wurden intensiv und unter reger Beteiligung aller TeilnehmerInnen diskutiert. Mit einer Feedback-Runde und der Festlegung des Themas im nächsten Jahr endete die Tagung.

Am 4. und 5. November 2016 werden wir uns – auch unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge für Flüchtlinge und AsylwerberInnen – mit dem Thema beschäftigen, ob soziale Bibliotheksarbeit noch immer oder schon wieder für die BibliothekarInnen relevant ist. Es sind alle KollegInnen herzlich eingeladen, eigene Erfahrungen oder Vorschläge für kompetente Vortragende über unsere Mailadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! einzubringen. Wir würden uns auch sehr freuen, wenn sich jemand an der Vorbereitung der Tagung beteiligen will.       

Zusätzliche Materialien

Einladung Jahrestagung 2015

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Der Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Karl-Renner-Institut (KRIBIBI) und die Erwachsenenbildungskommission des Bundesbildungsausschusses der SPÖ laden ein zur

Jahrestagung 2015

Informationsethik — za’wos brauch’ma des?*

Ethisches Handeln in Bibliotheken

*(wozu brauchen wir das?)

Termin

Freitag, 6. November 2015, 19 Uhr bis
Samstag, 7. November 2015, 18 Uhr 

Orte

Auftaktveranstaltung am Freitag:
Bibliothek der Arbeiterkammer Wien
Prinz Eugen Straße 2022
1040 Wien
(erreichbar mit Straßenbahnlinie D, Station Plößlgasse)

Tagung am Samstag:
Karl-Renner-Institut
Eingang: Gartenhotel Altmannsdorf, 1120 Wien, Hoffingergasse 2628
(erreichbar mit U6, Station „Am Schöpfwerk“, und Schnellbahn, Station „Hetzendorf“)

   

Inhalt

In immer mehr Ländern weltweit verordnet sich das Bibliothekswesen einen Ethik-Kodex. Österreich gehört – bis jetzt – nicht dazu. Der Umgang mit Information und Wissen hat aber enorme gesellschaftspolitische Bedeutung, Prinzipien moralischen Handelns sind also durchaus sinnvoll und angebracht.

Die Jahrestagung 2015 des Arbeitskreises KRIBIBI will einerseits versuchen, der Frage nachzugehen, ob Bibliotheksethik nicht eine Selbstverständlichkeit sein muss, und andererseits herauszufinden, ob es explizit progressive bibliotheksethische Entwürfe gibt und wie sich diese unter Umständen von Mainstream-Ethiken unterscheiden. Ein Workshop wird die Möglichkeit bieten, konkrete Problemfelder bibliothekarisch-ethischen Vorgehens zu untersuchen und zu diskutieren.

Die Auftaktveranstaltung am Freitagabend bringt einen literarisch-bibliothekarischen Spaziergang durch die Begriffswelt der Informationsethik.

Programm

Freitag Abend
(Beginn:
19 Uhr)

Vortrag
Oliver Bendel (Zürich) „Von der ‚Bibliothek‘ zum ‚Cyborg‘ und zurück: Ein Spaziergang durch die Begriffswelt der Informationsethik“

 

Samstag
Vormittag

(Beginn:
9 Uhr)

Begrüßung und Vorstellungsrunde

Referat und Diskussion

Hermann Rösch (Köln) „Ethik in der Bibliothek — eine Selbstverständlichkeit?“

 

Samstag
12 Uhr

Mittagessen

 

Samstag
Nachmittag

(Beginn
13 Uhr)

Referat und Diskussion

Nikolaus Hamann (Wien) „Never be silent! Ethische Aspekte progressiver Bibliotheksarbeit“

Workshop (Leitung: Hermann Rösch) „Konkrete Fälle aus der bibliotheksethischen Praxis“

 

Samstag
18 Uhr
Abendessen

 

Tagungsbeitrag: 50 €  (Der Vortrag am Freitag kann kostenlos besucht werden.)

Darin enthalten sind Nächtigung im Doppelzimmer für Teilnehmer/innen mit Wohnort außerhalb von Wien, Frühstück, Mittag– und Abendessen. Bei der Reservierung eines Einzelzimmers werden € 11,00 Aufschlag berechnet (zu bezahlen direkt an der Rezeption).

Bitte zahlen Sie den Tagungsbeitrag auf folgendes Konto ein:

Empfänger: Dr.-Karl-Renner-Institut
IBAN: AT10 6000 0000 0757 9163
BIC: OPSKATWW
Verwendungszweck: KRIBIBI-2015

Während der Tagung sind Sie Gast des Karl-Renner-Instituts, nur die Getränke bei Tisch, Konsumationen am Zimmer und ein allfälliger Einzelzimmerzuschlag sind selbst zu bezahlen. Wenn Sie für die Dauer der Tagung ein Zimmer benötigen, geben Sie uns bitte Bescheid, damit wir im Gartenhotel Altmannsdorf die Reservierung vornehmen können.
Ihre Anmeldung soll bis spätestens 31. Oktober bei uns eingetroffen sein.
→ zum Anmeldeformular

Ihre Anmeldung ist verbindlich. Erfolgt eine Stornierung nicht spätestens 14 Tage vor Tagungsbeginn, so sind sämtliche Beiträge sowie etwaige Stornokosten in vollem Umfang zu entrichten.
→ zu den Teilnahmebedingungen
Eine Anmeldebestätigung und eine etwaige Bestätigung der Zimmerreservierung werden Ihnen zugesandt.

 

Erreichbarkeit des KRIBIBI-Koordinationsteams: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
Nikolaus Hamann, Wiener Straße 126, 2262 Stillfried, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tagungsberichte früherer KRIBIBI-Tagungen stehen hier bereit.

Weitere Kontaktmöglichkeiten:

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Jahrestagung 2014

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Alles neu? Bibliothekarisches Berufsbild im Wandel

Bericht über die Jahrestagung 2014 des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (KRIBIBI)

Peter Jobmann, Diplombibliothekar der Stadtbibliothek Buxtehude in Deutschland und Demokratiepädagoge, übernahm bei dieser von Nikolaus Hamann geleiteten Tagung (7. und 8. November) die Aufgabe, theoretisch in das Thema „Berufsbild“ einzuführen, indem er sich zuerst intensiv mit dem Berufsbegriff an und für sich auseinandersetzte. Diesen gibt es in seiner heute gültigen Bedeutung erst seit etwa 90 Jahren, als „gesellschaftliches Phänomen“ (Helmut Schelsky) entstand er parallel zur Entwicklung der Industriegesellschaft. Die große Frage ist, ob er mit der Ablösung dieser Form der Ökonomie und der ihr eigenen Arbeitsbeziehungen auch wieder verschwinden wird. In diesem Zusammenhang thematisierte Jobmann die Überlegung, ob nicht mit der Veränderung der Komplementärrelation BibliothekarIn/LeserIn zu BibliothekarIn/KundIn die Aufgabe von BibliothekarInnen unzulässig auf eine rein wirtschaftliche Sicht reduziert werde. In seinen Augen sei es notwendig, die Beziehung zwischen Bibliotheken und ihren NutzerInnen als eine Ausformung des demokratischen Zusammenlebens zu begreifen.

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Der Samstag Vormittag war drei bibliothekarischen Ausbildungsschienen gewidmet. Markus Feigl (BVÖ | Strobl-Ausbildungen), Fabrizio Sommavilla (Akademie der bildenden Künste | Lehrausbildung „Archiv-, Bibliotheks– und InformationsassistentInnen“) und Eva Ramminger (TU Wien | Universitätslehrgange „Library and Information Studies“) filterten aus den jeweiligen Zielen und Inhalten das dahinter stehende Berufsbild. Feigl konstatierte, dass jenes der Lehrgänge in Strobl noch sehr traditionell sei und aktuell den neuen Herausforderungen angepasst werde. Sommavilla erläuterte die seit 2004 existierende Lehrausbildung, deren AbsolventInnen sich als einzige Gruppe auf ein gesetzlich abgesichertes Berufsbild berufen können. Über die 2013 durchgeführte Reform der Universitätslehrgänge in Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck berichtete Eva Ramminger. Anhand einer Auswertung der Stellenausschreibungen von zwei Monaten listete sie die am meisten nachgefragten Anforderungen auf, wobei eine bibliothekarische Ausbildung immer noch an der Spitze liege, nicht facheinschlägige Kenntnisse aber stark aufholten. Auf die Erkundigung, wie weit Informationsethik in den jeweiligen Ausbildungen eine Rolle spiele, findet sich diese gegenwärtig nur im Rahmen des Aufbau-Universitätslehrgangs „Library and Information Studies MSc“ wieder.
Auf der Seite www.bibliotheksausbildung.at lassen sich genauere Informationen abrufen.

Zwei wichtige Schwerpunkte bibliothekarischer Arbeit standen im Mittelpunkt des Nachmittags. Susanne Kappos (Büchereien Wien) führte in die Kinder– und Jugendanimation in Bibliotheken ein, Werner Schöggl (BM:BF) erläuterte die Herausforderungen, die durch die vorwissenschaftliche Arbeit angehender MaturantInnen auf Bibliotheken zukommen. Beide leiteten im Anschluss parallel laufende Workshops. Berichte darüber schlossen den inhaltlichen Teil der Tagung ab.

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Vom Versuch, eins zu werden

Die Bemühungen des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (KRIBIBI) um ein einheitliches Bibliothekswesen in Österreich

Von Nikolaus Hamann

Dieser Text ist Teil der Festschrift für den scheidenden Direktor der Universitäts– und Landesbibliothek in Innsbruck, Dr. Martin Wieser, die im November 2014 erschienen ist.

Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Bibliothekswesens unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts der Zugänglichkeit schildert der Beitrag die Entwicklung des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare in Österreich (KRIBIBI | www.kribibi.at) von einer Organisation für BibliothekarInnen an öffentlichen Büchereien hin zu einer Gruppe, die das gesamte Bibliothekswesen im Blickfeld hat. Im Anhang findet sich eine Umfrage unter führenden und besonders aktiven VertreterInnen des Bibliothekswesens hinsichtlich einer Zustimmung oder Ablehnung der Ziele von KRIBIBI.

Einleitung

Die Voraussetzung für das Entstehen von Archiven und Bibliotheken war die Entwicklung von Schrift. Vorher waren sie nicht notwendig, da das – zum größten Teil gemeinsame – Wissen ausschließlich mündlich weitergegeben werden konnte. Das ist an und für sich eine Binsenweisheit und braucht nicht weiter erläutert zu werden.

Interessanter ist, dass das Entstehen der ersten Schriften sich parallel zur sich über Tausende von Jahren erstreckenden „neolithischen Revolution“ vollzog, also parallel zum Übergang vom gemeinschaftlichen Eigentum der Horde oder des Stammes zum Privateigentum an Produktionsmitteln, also des Privatbesitzes an Grund, Boden und Viehherden. Schrift entstand also zur gleichen Zeit wie der Übergang von der Gesellschaft der Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht, der Entstehung der ersten Klassengesellschaften und der ersten Gründungen von Staaten. Privateigentum musste be„schrieben“, staatliche Verordnungen und Verwaltungsakte schriftlich niedergelegt werden. Es ist daher nachvollziehbar, dass die ersten in Bibliotheken und Archiven gespeicherten „Dokumente“ Aufstellungen über Besitztümer bzw. Handels– und sonstige Verträge sowie Gesetze waren.

Archive und Bibliotheken begannen also als Erscheinungsformen des Klassenstaates zu existieren, folgerichtig musste der Zugang zu dem in ihnen gesammelten Wissen auf die Eliten begrenzt werden, was einerseits durch die Beschränkung der Kenntnis des Schreibens und Lesens auf wenige Personen bewirkt wurde, andererseits durch die Platzierung der Dokumente in nicht öffentlich zugänglichen Gebäuden.

An diesen Verhältnissen hat sich über viele Jahrtausende nicht viel geändert. Bis zum Ende des Mittelalters blieben sowohl Bildung als auch Zugang zum Wissen auf ganz wenige Privilegierte beschränkt. Dies lässt sich auch an der engen räumlichen Verbindung zu weltlichen und später auch kirchlichen Zentren der Macht ablesen. Erst mit dem langsamen Aufkommen des Bürgertums in der Renaissance wurde es notwendig, den Zugang zu Wissen etwas zu erweitern – es entstanden Universitäten und mit ihnen die ersten Bibliotheken, die nicht an Fürstenhöfen und Klöstern situiert waren. Immer noch aber war Bildung ausschließlich Bildung der Eliten, für das Volk war solche nicht vorgesehen – und ökonomisch auch nicht nötig.

Das Entstehen von Manufakturen und ersten Industrien brachte das erste Mal die Notwendigkeit mit sich, auch den unterdrückten Klassen Basiskenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln, was eine Verpflichtung zum Schulbesuch für alle erforderlich machte. Dies führte in allen Staaten, deren Gesellschaftsform sich vom Feudalismus zum Frühkapitalismus wandelte, zu gespaltenen Schulsystemen: Basisbildung für das Volk, erweiterte Bildung für die herrschende Klasse und für die, deren Aufgabe es sein sollte, die Herrschaftsverhältnisse zu stützen und zu sichern.

Die – ökonomisch notwendig gewordene – Verbreiterung des Zugangs zu Wissen war für die Eliten allerdings immer ein zweischneidiges Schwert; einerseits erforderlich, um die Wirtschaft weiter zu entwickeln, andererseits gefährlich, weil mehr Bildung auch zu mehr Einsicht in die Ungerechtigkeit der Klassengesellschaft und vor allem zu mehr Weitsicht bezüglich der Möglichkeiten, diese zu verändern, erlaubte. Folgerichtig entwickelten sich, unter aktiver Beteiligung der unterprivilegierten Schichten, nun neben den Bibliotheken der Elite sogenannte Volksbüchereien. In stärker demokratischen Gesellschaften wie in England, den Niederlanden und den skandinavischen Staaten wurden daraus die „Public Libraries“, die durchaus auch Funktionen von wissenschaftlichen Bibliotheken übernahmen, in den meisten Fällen durch Gesetze geregelt und abgesichert. In Österreich und Deutschland hingegen besteht die organisatorische Trennung zwischen „öffentlichen“ oder „Volks“büchereien und wissenschaftlichen Bibliotheken bis jetzt.

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Einladung Jahrestagung 2014

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Der Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Karl-Renner-Institut (KRIBIBI) und die Erwachsenenbildungskommission des Bundesbildungsausschusses der SPÖ laden ein zur

Jahrestagung 2014

Alles neu?

Bibliothekarisches Berufsbild im Wandel

Termin

Freitag, 7. November 2014, 19 Uhr bis
Samstag, 8. November 2014, 18 Uhr 

Orte

Auftaktveranstaltung am Freitag:
Bibliothek der Arbeiterkammer Wien
Prinz Eugen Straße 2022
1040 Wien
(erreichbar mit Straßenbahnlinie D, Station Plößlgasse)

 

Tagung am Samstag:
Karl-Renner-Institut
Eingang: Gartenhotel Altmannsdorf, 1120 Wien, Hoffingergasse 2628
(erreichbar mit U6, Station „Am Schöpfwerk“, und Schnellbahn, Station „Hetzendorf“)

 

Leitung

Nikolaus Hamann, Büchereien Wien

Eine kurze Inhaltsangabe und das detaillierte Tagungsprogramm befinden sich auf der nachfolgenden Seite dieser Einladung.

Tagungsbeitrag: 45 €   

Darin enthalten sind Nächtigung im Doppelzimmer für Teilnehmer/innen mit Wohnort außerhalb von Wien, Frühstück, Mittag– und Abendessen. Bei der Reservierung eines Einzelzimmers werden € 11,00 Aufschlag berechnet (zu bezahlen direkt an der Rezeption).

Bitte zahlen Sie den Tagungsbeitrag auf folgendes Konto ein:

Empfänger: Dr.-Karl-Renner-Institut
IBAN: AT10 6000 0000 0757 9163
BIC: OPSKATWW
Verwendungszweck: KRIBIBI-2014

Während der Tagung sind Sie Gast des Karl-Renner-Instituts, nur die Getränke bei Tisch, Konsumationen am Zimmer und ein allfälliger Einzelzimmerzuschlag sind selbst zu bezahlen. Wenn Sie für die Dauer der Tagung ein Zimmer benötigen, geben Sie uns bitte Bescheid, damit wir im Gartenhotel Altmannsdorf die Reservierung vornehmen können.
Ihre Anmeldung soll bis spätestens 31. Oktober bei uns eingetroffen sein.
→ zum Anmeldeformular

Ihre Anmeldung ist verbindlich. Erfolgt eine Stornierung nicht spätestens 14 Tage vor Tagungsbeginn, so sind sämtliche Beiträge sowie etwaige Stornokosten in vollem Umfang zu entrichten.
→ zu den Teilnahmebedingungen
Eine Anmeldebestätigung und eine etwaige Bestätigung der Zimmerreservierung werden Ihnen zugesandt.

Inhalt & Programm

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